Vom Stamme der Psoas

Fotograf:P.-G. Koch some rights reserved Quelle: www.piqs.de

Fotograf:P.-G. Koch, some rights reserved
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Passend zum Inhalt des Ausbildungswochenende mit Britta: Was ist Psoas? (A) Ein Eingeborenen-Stamm in Papua-Neuguinea (B) Ein revolutionäres Betriebssystem für Computer
(C) Der Muskel, der den Schlüssel für die Stabilität unseres Körpers bildet.

Für alle die auf (C) getippt haben, hier in Auszügen übersetzt ein Artikel der „Psoas-Päpstin“, Liz Koch.  Sie schreibt: „Der Psoas, tief im Inneren deines Körpers beeinflusst jede Facette deines Lebens, dein körperliches Wohlbefinden, dein Gefühl davon, wer du bist, ebenso wie du mit deiner Umwelt in Beziehung trittst.“

Aus dem Albinus:  Der Psoas-Muskel, der am Oberschenkelknochen, am Becken und an der Fortsätzen der Lendenwirbelsäule an

Aus dem Albinus: Der Psoas-Muskel, der am Oberschenkelknochen, am Becken und an der Fortsätzen der Lendenwirbelsäule an

Der Psoas, tief im Inneren deines Körpers beeinflusst jede Facette deines Lebens, dein körperliches Wohlbefinden, dein Gefühl davon, wer du bist, ebenso wie du mit deiner Umwelt in Beziehung trittst. Als Brücke, die den Rumpf mit den Beinen verbindet, ist der Psoas grundlegend für ausbalancierte Aufrichtung, gute Gelenkrotation und das volle Ausschöpfen der Bewegungsfähigkeit…

Ob du unter Rückenschmerzen oder Angstgefühlen leidest, unter Kniebeschwerden oder Erschöpfung – die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ein angespannter Psoas zu deinem Leiden beiträgt…Obwohl der Muskel sich nicht so leicht erspüren lässt wie dein Bizeps oder deine Pomuskeln, kann vermehrte Bewusstheit für den Psoas dein physisches und emotionales Wohlbefinden deutlich verbessern.

Größere Bewusstheit wird nicht nur deine strukturelle Stabilität verbessern, sondern kann auch Ängste ans Licht bringen, die lange als unbewusste physische Spannung in deinem Körper weggesperrt waren. Der Psoas ist aufs Engste mit der Kampf-oder-Flucht-Reaktion (fight or flight response) verbunden.  Er kann dich in eine schützende Embryonalhaltung zusammenrollen oder so anspannen, dass deine kräftigen Rücken- und Beinmuskeln in Aktion treten können. Weil der Psoas so eng mit solchen elementaren physischen und emotionalen Reaktionen verzahnt ist, signalisiert ein ständig angespannter Psoas deinem Körper fortwährend, du seiest in Gefahr. Das führt zu Überbeanspruchung der Nebennieren (wo u.a. Adrenalin gebildet wird) und schwächt das Immunsystem. Wenn du mit größerer Psoas-Bewusstheit lernst, der Welt ohne diese fortwährende Spannung zu begegnen, kann das die Antennen für deine inneren Körpersignale für Sicherheit und Gefahr feinfühliger machen und die Tür zu einem Gefühl von innerem Frieden weiter öffnen…

„Er funktioniert wie die Aufhängung eines Zirkuszelts und stabilisiert deine Wirbelsäule so wie es die Spannseile mit Hauptmast des Zirkuszeltes tun.“

Ein gut funktionierender Psoas bildet eine sensible Hängebrücke zwischen Rumpf und Beinen. Im Idealfall leitet er die Gewichtsübertragung vom Rumpf in die Beine und agiert außerdem als Erdungsleiter für den Fluss subtiler Energien. Er funktioniert wie die Aufhängung eines Zirkuszelts und stabilisiert deine Wirbelsäule so wie es die Spannseile mit Hauptmast des Zirkuszeltes tun.

Außerdem bietet der Psoas diagonale Unterstützung im Rücken und bildet eine Ablage für die lebenswichtigen Organe im Bauchraum. Beim Laufen bleibt der Psoas frei beweglich und massiert zusammen mit dem entspannten Zwerchfell kontinuierlich die Wirbelsäule ebenso wie die Organe, die Blutgefäße und Nerven im Rumpf. Ein frei beweglicher Psoas fördert wie eine Hydraulikpumpe den Fluss der Körpersäfte im ganzen Körper. Und ein entspannter Psoas trägt zusammen mit einem stabilen, Gewicht-tragendem Becken zu einem Gefühl von geerdet und zentriert sein bei.

„Wenn du den Psoas fortwährend anspannst, um Instabilität in deinem Skelett zu korrigieren, wird er sich irgendwann verkürzen und an Flexibilität verlieren.“

Stell dir dein Becken als das Fundament einer ausbalancierten Skelettstruktur vor. Damit dein Becken diese stabile Basis bilden kann, muss es als Teil deines Rumpfes arbeiten, nicht als Teil der Beine. Viele denken fälschlicherweise, dass ihre Beine bei der Taille anfangen, vielleicht gerade auch weil viele der großen Beinmuskeln am Becken ansetzen. Wenn man jedoch das Skelettsystem betrachtet, setzen deine Beinknochen in deinen Hüftgelenken an. Wenn dein Becken bei jeder Beinbewegung nach vorn oder nach hinten oder seitlich wegkippt, können die Knochen das Gewicht nicht richtig tragen und übertragen. Dein Psoas muss dann in Aktion treten und das Skelett stabilisieren, um die Wirbelsäule zu schützen. Da der Psoas an jedem der Gelenke, an dem er ansetzt, kontrahieren oder entspannen kann, kann er strukturelle Ungleichgewichte deines Skeletts auf viele Arten kompensieren. Aber wenn du den Psoas fortwährend anspannst, um Instabilität in deinem Skelett zu korrigieren, wird er sich irgendwann verkürzen und an Flexibilität verlieren.

Ein verkürzter Psoas führt zu einer ganzen Reihe ungünstiger Folgen. Unvermeidlich müssen andere Muskelgruppen den Verlust an struktureller Intaktheit ausgleichen helfen. Die Beckenschale neigt nach vorn und verringert so den Abstand des Beckenkamms zu den Beinen. Die Oberschenkelknochen werden in die Hüftgelenke gepresst. Um diese Verengung auszugleichen, prägen sich die Oberschenkelmuskeln übermäßig aus. Weil der Kopf des Oberschenkelknochens nicht  mehr vollständig in der Pfanne Hüftgelenks rotieren kann, muss die Drehung verstärkt aus Knien und Lendenwirbelsäule kommen – ein Patentrezept für Beschwerden in den Knien und im unteren Rücken…

„Wenn du spürst, wie deine Knochen das Gewicht tragen entspricht das – physisch und emotional – dem Gefühl von ‚auf eigenen Beinen stehen‘.“

Zudem beschränkt ein verkürzter Psoas den Raum in Becken und Bauch und engt so Organe ein, übt Druck auf Nerven aus, behindert den Fluss der Körpersäfte und auch das Zwerchfell und damit die Atmung.  Weil ein verkürzter Psoas deine Bewegungsmöglichkeiten einschränkt und dein Zentrum einengt, vermindert er gleichzeitig deine Vitalität und deine Wahrnehmungsfähigkeit für Empfindungen im Skelett-Muskel-System und deiner Gefühle…

Zu lernen, bewusst den Psoas zu entspannen, kann die Lebenskräfte wiederbeleben, indem die Verbindung zu den Signalen aus dem Inneren deines Körpers wiederhergestellt wird – zu deinem instinktiven Körper-Wissen. Das Lösen des Psoas befördert diesen Prozess, indem es dir erlaubt der Stabilität des Skeletts zu vertrauen statt dich durch Muskelaufwand aufrecht zu halten. Wenn du spürst, wie deine Knochen das Gewicht tragen entspricht das – physisch und emotional – dem Gefühl von „auf eigenen Beinen stehen“. Wenn der Psoas wie vorgesehen arbeitet, dann tragen die Knochen Gewicht, die Muskeln bewegen die Knochen, und die Gelenke verbinden die subtilen Energien im Körper…Befreit und mit dem Boden verbunden kann die Wirbelsäule wach sein.

Ungekürzt und auf English findet sich der Text unter http://www.yogajournal.com/practice/170.

Auf unserer Facebook-Seite http://www.facebook.com/AlexanderAllianceDeutschland gibt es auch noch ein tolles Bild vom Psoas aus dem Buch Anatomy Trains.

Nachtrag:
Der Artikel ist hier gepostet, weil er exemplarisch die Verbindungen zwischen Körper, Bewegungen, Gedanken und Emotionen aufzeigt. Alexander-Technik hat aber nicht nur einen Muskel im Blick, sondern den ganzen Körper, die ganze Person. Heißt: nicht nur den Psoas entspannen, sondern körperlich und geistig eine gelassene Wachheit zu entwickeln. (Weder kollabiert noch verkrampft, weder zu schlaff, noch zu straff)

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