Richtungen kosten

Erdbeerfeld6

Das Ausbildungs-Wochenende vom 8. – 9. Juni mit Célia und Alexandra kreiste hauptsächlich um ein Prinzip der Alexander-Technik, das F.M. Alexander directions nannte (meist als Richtung oder richtunggebende Anweisung übersetzt). Zwei Tage mit wenigen Worten und vielen Erfahrungen für die Sinne…

 

Lass deinen Hals frei, so dass dein Kopf nach vorne und oben gehen kann und dein Rücken in die Breite und die Länge – wiederholte Célia am Anfang noch einmal die wohl bekannteste richtunggebende Anweisung F.M. Alexanders

Daneben gibt es viele weitere, die die Koordination des Körpers beeinflussen – für jeden und für jeden Moment vielleicht andere und passende. Wer mehr darüber nachlesen möchte, dem sei Bruce’ Essay „Richtung unbekannt“ ans Herz gelegt. Er schreibt frei nach Alexander:

 “Richtung ist eine Nachricht, die wir zu einem Teil des Körpers schicken. Wenn die Nachricht richtig ist, also wenn es eine richtige Richtung oder Anweisung ist, dann wird sie die Energie in diesem Körperteil so leiten, dass daraus eine allgemeine Verbesserung der gesamten Integration resultiert.”

Theoretische Erklärungen und anatomisches „Vokabelwissen“ haben wir uns bei unserem Ausbildungswochenende weitgehend gespart. Stattdessen boten die zwei Tage eher Unterricht für die rechte Gehirnhälfte, eine Fülle von Einladungen zum erfahrungsbasierten Lernen, zum spielerischen Erforschen und mit eigenen Sinnen Erleben von Richtungen im Körper und wie sie den eigenen Gebrauch (oder den eines anderen) verändern.

Dabei arbeiteten wir viel mit einer unserer Standard-Bewegungsmeditation, eine von Bruce  entwickelte Übungsfolge und mit dem sogenannten Constructive Rest im Liegen. (Im Internet finden sich unzählige Anleitungen, hier ein Beispiel ) Beides eignet sich zum Erkunden von Richtungen in verschiedenen neuralgischen Zonen wie Becken, Brustkorb, Schultern, Hals, Kreuzbein, Kopf, Unterkiefer… Und beides bietet eine kinästhetisch vielschichtigere Erfahrung von Alexander Satz von Hals frei, Rücken breit und lang… als das bloße Lesen – ein Unterschied wie zwischen dem Lesen einer Beschreibung und dem Kosten eines Weins.

Daran anschließend widmeten wir uns ausgiebig und ebenso spielerisch, der Frage, auf die es ja eigentlich ankommt: Wie nutze ich richtunggebende Anweisungen in meinem alltäglichen Tun? Dazu machten wir unter anderem das Erdbeerfeld nebenan zum Klassenraum. In unserem „Raum im Wald“, einer Lichtung nahe des Seminarraums erprobten wir uns bei einem improvisierten „stage diving“, wie ich eine gute Koordination behalte, wenn ich sie am meisten brauche – in Stresssituationen beispielsweise.

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Den zweiten Schwerpunkt des Unterrichts bildete die Anwendung der selbst als hilfreich erfahrenen Richtungen in der praktischen Alexander-Arbeit, in der Berührung. Ergänzend dazu gab uns Célia einige Übungen als Hilfsmittel an die Hand, um unsere Hände und Handgelenke frei von überflüssiger Spannung zu bekommen, also um jene Qualität der Berührung zu erreichen, die Margarete einmal so beschrieb:

„Es ist essentiell, dass die Hände vom Wollen ganz leer werden und vom Sein ganz voll. Weil sie leer werden vom Wollen, kommt die Fülle vom Sein.“

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