Die Wurzel aller Anmut

Foto: Bruce Fertman

Was gibt Unterstützung? – Diese Frage stand im Mittelpunkt des Ausbildungswochenendes am 15. und 16. September mit Margarete und Irene. Dabei beschäftigte uns vor allem unser dynamisches Verhältnis zum Boden, also wie uns die Schwerkraft bei der Aufrichtung hilft und die unterstützende Wirkung von Berührung.

Die Schwerkraft wirkt immer. Unser Körper ist von Natur aus so beschaffen, dass wir „im Lot“ mit dieser Kraft ausgerichtet sind. Sie „erdet“ uns statt uns aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wenn wir so mit und nicht gegen die Schwerkraft leben, wird aus „schwerer Kraft“ eine auftriebgebende Kraft, wie Margarete sagt:

„Es ist ein Geben und Nehmen. Jedes Gramm Gewicht tausche ich ein in Unterstützung. Aufrichtung ist die Antwort des Bodens auf unser Gewicht. Durch guten Gebrauch können wir das Gewicht optimal in Richtung Boden lenken.“

Allerdings ist der Körper von Natur aus ein klein wenig aus der Balance. Deshalb sinkt uns beispielsweise der Kopf auf die Brust wenn wir im Bus einschlafen. Wegen dieser kleinen, strukturellen Dysbalance sind wir nicht statische, sondern dynamische Wesen:

„Wir sind immer in Bewegung. Unser Verhältnis zum Boden entspricht dem eines springenden Balls.“

Margarete Tüshaus

Wir haben ein automatisches Aufrichtesystem „eingebaut“, dass uns immer wieder ausbalanciert, ohne dass wir es merken oder etwas dafür tun müssen. Es funktioniert im Zusammenspiel von Nervensystem, Gleichgewichtssinn, Eigenwahrnehmung mit der eigens dafür bestimmten tiefliegenden Muskulatur. Im Kontakt mit dem Boden aktivieren sich von der Fußsohle bis zum Scheitel Sehnen, Bänder und bestimmte tiefliegende Muskeln und balancieren fortwährend die Knochen so aus, dass das Gewicht zur Schwerkraft hin geleitet wird. Die Folge ist eine rhythmische Bewegung, auch primäre Bewegung/ primary movement genannt, vom Boden zum Kopf und zurück.

„Jedes Gramm Gewicht löst einen Rebound, eine Welle aus. Der Körper ist ein Ozean. Die Wellen sind immer da, auch wenn es an der Oberfläche still aussehen mag. Das Aufnehmen in unser System ist das Schwierige.“

Wie schwer wir uns das Leben machen: Auf der Wirbelsäule balanciert wiegt der Kopf etwa 6 Kilo, nur wenige Zentimeter von der Körperachse entfernt, müssen die Muskeln 15 - 20 Kilogramm tragen.

Wie schwer wir uns das Leben machen: Auf der Wirbelsäule balanciert wiegt der Kopf etwa 6 Kilo, nur wenige Zentimeter von der Körperachse entfernt, müssen die Muskeln 15 – 20 Kilogramm tragen.

Denn oft stören wir diesen natürlichen Wirkmechanismus. Wenn die Knochen nicht mehr wie vorgesehen übereinander stehen, können sie nicht mehr unser Gewicht tragen und zum Boden leiten. Das müssen dann die äußeren Muskeln übernehmen, die uns eigentlich bewegen sollen und nun gegen die Schwerkraft arbeiten. Wenn diese Muskeln halten müssen, kann die Bewegung der Wellen nicht vollständig weitergeleitet werden.

 

 

 

 

Die Schwerkraft als Wurzel aller Anmut (Laotse) – ein kleiner Film:

 

Was haben wir mit diesem ganzen theoretischen Input angefangen?

Ganz viel praktische Erfahrung: Spüren wie das Gewicht zum Boden geleitet wird, wie die Unterstützungskraft vom Boden kommt, wie die äußeren Muskelschichten dadurch ihre Spannung vermindern, ausgelöste Wellen spüren und nutzen in der Berührung,

Wir haben uns im Hands-on den Ruheorten/ Übergabeorten, also den Orten im Körper die kritisch für optimale Weiterleitung des Gewichts zum Boden und der Unterstützungskraft bis zum Kopf sind: Fußgelenk, Kniegelenk, die Kugeln des Oberschenkelknochens im Hüftgelenk, Kreuzbein/ Becken, Wirbelsäule, Kopfgelenk. Wie frei/ blockiert sind diese Übergabeorte, kann ich den Weg des Unterstützungsreflexes vom Fuß zum Kopf nachverfolgen.

Und immer wieder Falling In und Falling out – (Hineinsinken, Hineinlehnen…. ) bei der Berührung) also wenn ich in der Berührung den Boden spüre, auf dem der andere steht und die Unterstützungskraft in meinem Körper durchleite.

„Alles was der Körper berührt, löst Unterstützung aus, wenn ich den Mechanismus nicht beeinträchtige. Das ist der ernährende Aspekt der Alexander-Arbeit: Ich empfange ebensoviel wie ich in den Kontakt hineingebe. Was immer ich berühre, erinnert mich an mein Sein.“

Aus der Perspektive des Alexander-Lehrers gilt bei der Berührung also:

„Mein Genuss ist deine Unterstützung.“

 

 

 

 

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