Das kinästhetische Summen

photoMehrere einzeln entwickelte Themenstränge – Studien zu Richtungen, zur Sinneswertschätzung (sensory appreciation), Etüden zu Handgebrauch und Koordination – vereinte Bruce beim Herbst-Event zu einer Komposition unter der Überschrift „Wie wir auf innere und äußerere Reize reagieren“. Gast-Auftritte übernahmen in diesem ganzheitlichen Werk unsere Graduierenden und zahlreiche Alliance-Alumni. Und zum Finale kulminierte alles in einer rauschenden Abschiedsfeier für unsere frisch gebackenen Lehrer-Absolventen.

Wie wir auf innere und äußere Reize reagieren, zählt zu den Kernthemen der Alexander-Technik. Innere Reize – z.B. Gedanken, Gefühle, Empfindungen Äußere Reize – Sinneswahrnehmungen. Jeden Tag ein paar neue Blumen – zusammen ein großer Strauß. Hier stichpunktmäßig eine Auswahl aus der Fülle der Ideen, mit denen wir uns 9 Tage lange beschäftigten:

Studien zu „Richtung“ – direction
Sphären: Dieser Ausbildungsblock bildete die Fortsetzung zum Sommerkurs, bei dem wir zum ersten Mal mit Sphären und vorgestellter Bewegung arbeiteten, um günstige Richtungen im Körper auszulösen. (Analog zu den Richtungen, die F.M. Alexander beschrieb) Dieses Mal kamen zu Kopf, Brustkorb, Becken die Arme, Hände, Beine und Füße dazu. Unsere Einheiten dazu hatten den Charakter eines Forschungslabors, in dem wir individuell experimentierten, welche vorgestellten Bewegungen welche Effekte auf die Gesamtkoordination hatten.

Falling and rising patterns (fallende und steigende Muster/ Ströme): Gewissermaßen die Verwandeten der Sphären. Während die Sphären eher eine Art individuelle Meditation sind, lassen sich durch die fallenden und steigenden Muster Richtungen im Körper besonders gut durch Berührung erfahren. Fallend steht für „Bahnen“/ Ströme (Muskeln, Knochen…), die zum Boden hin lösen. Steigend steht für „Bahnen“, eher die für die Aufrichtung aktiviert werden. Berührungen in diesen Strömen machen es dem Körper leicht Richtungsimpulse von außen zu „empfangen“. Sie bilden deshalb so etwas wie eine Karte, die helfen die Hände einzusetzen. Allgemein gilt: Sphären erzeugen Power + Tonus (Vitalität), Spiralen Raum. (space + support)

Non-directional (ohne Richtung): Ebenso wichtig wie Richtung geben und vorstellen, ist es Richtungen wieder „verschwinden“ zu lassen. Sonst entsteht nur Haltung, Steifheit und übermäßiges Fokussieren auf den Körper. Oder wie Marjorie Barstow sagte:

„Du willst dir nicht dein ganzes Leben lang Gedanken über Hals und Kopf machen.“

Wertschätzende Sinneswahrnehmung/ Empfindungsvermögen (sensory appreciation)

Den zweiten Themenstrang des Ausbildungsblocks bildeten Studien zur Verfeinerung der Wahrnehmung – sowohl der kinästhetischen Wahrnehmung als auch mit den anderen fünf Sinnen:

Beispiele: Wordless world: Spaziergänge und Übungen zum Sehen ohne Benennen, Analysieren und Bewerten, fat body, egg body, peaceful body – Stell dir deinen Körper vor als wäre er dick wie der eines Sumoringers, als wäre ein Ei, als hätte er keine Hülle/ keinen Container.

Dabei experimentierten wir mit den Wechselwirkungen zwischen Innen und Außen, Körper und Geist. Wie verändert sich Wahrnehmung ohne Worte, wie verändern sich Emotionen und Gedanken, wenn ich gleichzeitig nicht Wahrnehmungen – außen und innen – ausblende.

Handgebrauch, Koordination, Arbeit in der Aktivität und in Situationen

Der dritte Themenstrang lief unter der Rubrik:

“Zur Welt, zum praktischen Leben orientiert sein und die Alexander-Technik da hineinzubringen, ist das Kennzeichen von Lehrern, die von der Alexander Alliance ausgebildet werden. Du willst in der Lage sein auch ohne Hände zu unterrichten, durch Sprache und Sehen, einzeln und in Gruppen.”  (Bruce)

Treppen steigen, Kommunikation im Alltag und in Stresssituationen, z.B. konfrontiert mit Kritik und Ratschlägen als äußeren Reizen, Arbeit am Computer, Instrumentalspiel, Vortrag, Schreiben und Zuhören…

Biomechanisches Spielen (wie funktioniert der Körper), hilfreiche Elemente aus dem Taichi, die die Koordination in der Partnerarbeit erleichtern, „Quickies“ und „Slowies“ in der Berührung, Resting Points (Ruhepunkte als günstige Orte für Berührung)

Das Drumherum
Um die Kernunterrichtszeiten gruppierten sich eine Fülle von Angeboten. Wer wollte konnte den Tag in der Dämmerung mit Yoga mit Célia, mit Taichi mit special guest Shin oder mit alexandrisch angeleitetes Jogging mit Kirsten beginnen. Oder in der hauseigenen Schwimmhalle seine Bahnen ziehen. Abends ließ sich der Tag mit einer Unterrichtseinheit der Graduierenden ausklingen, die uns mit sinnlichen, praktischen und theoretischen Anregungen zu verschiedensten Themen beglückten: Füße,  Augen – Sehen, mechanische und organische Strukturen zwischen Stabilität und Reaktionsfähigkeit, Jonglieren ohne Zielfixiertheit…

Die Ausbildungswoche gipfelte in einem großen Festtag, am Samstag. Viele Alumni und der halbe Lehrkörper der Alliance (Robyn, Margarete, Célia, Bruce, Alexandra, Christine…) waren da – die Walk-abouts (Alexander-Quickies in großer Runde). Am Abend stieg unsere traditionell selbstgestaltete Samstagabend-Show, dieses Mal als Graduierungsfeier – mit Lustigem, Lyrischem, Feierlichen und jeder Menge wildem Tanz.

Der Veranstaltung gewordene Beleg für das, was Bruce als Konsequenz der ganzen Wahrnehmungs-, Richtungs-. Berührungs-Arbeit bezeichnete:

„Du willst durchlässig werden und die Reize in dich hinein und herauslassen. Du gewinnst, was wir Ausdruckskraft nennen.“

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