„Verlier den Verstand und komm zu Sinnen.“

DrachenDie Sinne vom Geist zu trennen, prägt die philosophische und religiöse Ausrichtung der westlichen Kultur seit ihren Anfängen. Einige Denker und Mystiker hinterfragten allerdings diese Sicht auf den Geist als höher und heilig, des Körpers als geringer und niederer.

“Ich wünsche mir und allen … eine immer größere Vergeistigung und Vervielfältigung der Sinne… Der Geist ist dann ebenso in den Sinnen heimisch wie zu Hause, wie die Sinne in dem Geiste zu Hause und heimisch sind; und alles, was nur in diesem sich abspielt, muss auch in jenen ein feines außerordentliches Glück und Spiel auslösen. Und ebenfalls umgekehrt.“

Friedrich Nietzsche

Je lauter der Verstand ist desto weniger kannst du spüren und wahrnehmen. Alles was dich „zu Sinnen“ bringt, macht dich unmittelbar ruhiger. Eines der cleveren Bonmots Fritz Perls‘, des Gründers der Gestalt-Therapie lautet:

„Verlier den Verstand und komm zu Sinnen.“

Für mich ist nichts lediglich physisch (körperlich), nichts lediglich meta-physisch. Leben ist grundlegend physisch. Existenz ist eine physische Existenz.

Die Schulung des sinnlichen Wahrnehmungsvermögens, der Empfindungsfähigkeit (sentience)* hilft uns in direkten Kontakt mit der Welt zu kommen. Die Welt zu berühren, erdet uns. Der ganze Körper atmet Intelligenz und Sensibilität. Der ganze Körper empfängt und lernt. Der ganze Körper erlebt Leben.

Der Körper ist immer im Jetzt. Er kann nirgendwo anders sein. Aber unser Verstand kann sonst wo sein, in der Vergangenheit, in der Zukunft, in anderer Leute Angelegenheiten. Er sendet fortwährend einen mitlaufenden Kommentar, oftmals kritisch, zu unserem Leben und/ oder zum Leben anderer. Unser Verstand ist äußerst geschäftig und beschäftigt. Versuch ihn in seiner Geschäftigkeit zu bremsen. Viel Glück. Es funktioniert nicht. Gedanken machen Krach wie Trommeln. Sie gewinnen immer.

Du kannst aber lernen, deinen Geist in deinen Sinnen zu verankern. Stell dir den Unterschied vor zwischen einem Drachen, der losgelöst durch die Luft wirbelt und einem Drachen, der an einer Schnur befestigt ist, die um ein dickes Stück Holz gewickelt ist, die von zwei großen Händen gehalten wird und kräftigen Armen, die zu einem Mensch gehören, der mit beiden Beinen auf festem Boden steht. Das ist der Unterschied zwischen dem körperlosen, entkörperlichten Geist und dem mit dem Körper verbundenen Geist.

*Empfindungsvermögen (sentience) – die unmittelbare, genaue und umfassende Wahrnehmung der Realität durch einen harmonischen Gebrauch der Sinne, ohne Intervention von Sprache, Gedanken oder Analyse.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s