Ursprüngliche Wellen

IMG_2635Die Idee einer primären Bewegung vom Boden zum Kopf und zurück bildete ein Kernelement der Oster-Ausbildungswoche mit Robyn Avalon. Sie bezeichnet diese primary movement als Welle. Zur Vertiefung beschäftigten wir uns, angeleitet von Margarete und Alexandra beim Mai-Wochenende intensiv mit dieser ursprünglichen Welle der Bewegung: Wie sie entsteht, wie wir sie als Lehrer freisetzen und „surfen“ können, wie sie Leichtigkeit in alltägliche Aktivitäten bringt und wie sie im absichtsvollen Handeln genutzt werden kann.

F.M. Alexander bezeichnete das Zusammenspiel von Kopf, Hals, Rumpf in Verbindung zum Rest des Körpers als eine „Primärsteuerung“ für die natürliche Koordination. Weil dieses Zusammenspiel nicht statisch, sondern dynamisch ist, lässt es sich als immer wiederkehrende primäre Bewegung beschreiben. (Hals frei, Kopf nach vorn und oben, Rücken längt und weitet sich)

Robyn sagt: „Die Wellen sind immer da und sie lassen sich ‚on demand’ erzeugen.“ Das Vorhandensein der Primärbewegung ist einerseits in der funktionelle Anatomie des Körpers vorgesehen. Sie entspricht der natürlichen Koordination. Andererseits kann Entstehung und Bewegung der Welle auch gehemmt oder eingeschränkt sein, etwa durch kompensierende Muskelspannung.

Daraus ergibt sich eine der wichtigsten Aufgaben des Alexander-Lehrers:

„Wir sind Facilitators – Erleichterer – für primäre Bewegung. Dafür machen wir bei der Alexander-Technik „technische“ Sachen. Wir brauchen Techniken für dieses Lösen und Auftauchen aus Begrenzendem. Alles was wir als Alexander-Lehrer tun, tun wir, um den Schülern dieses Freisetzen der Welle anbieten zu können. Wenn die primäre Bewegung nicht da ist, ist alles vergebens. Was in dieser Welle geschieht, das ist Alexander-Arbeit.“
Margarete Tüshaus

Wellen stehen in engem Zusammenhang mit den Prinzipien Innehalten und Direction: Innehalten bietet die Möglichkeit sich des Haltens (in Muskeln) gewahr zu werden, das Lösen in Richtung der Schwerkraft (Boden) setzt eine Welle frei („on demand“), die dann bestimmte Wege (Prinzip der Directions) durch den Körper nimmt. Die primäre Bewegung ist also nicht „gemacht“, sondern entsteht durch Lösen unnötiger Muskelspannung. Bruce’ Modell der steigenden und fallenden Ströme gibt eine Annäherung an die zugleich elegante und komplexe fließende Form der Primärbewegung.

Eine der „Hauptpipelines“ (Margarete) für die primäre Bewegung und in sich eine „Verkörperung von Welle“ ist die Wirbelsäule. Ihre freie Beweglichkeit und Wellen-Durchlässigkeit haben wir uns deshalb auch in einer Reihe von Übungen und Bewegungsstudien im Detail angesehen: Welche Muster verhindern die Welle, wie kann ich mit Berührung arbeiten, wie entsteht Leichtigkeit, wenn sich die Welle frei entfalten kann.

Zum Beispiel beim Gehen:
Ein gleichmäßiges Lösen in Fuß-, Knie- und Hüftgelenk (Spielbein) zum Boden schafft die Voraussetzung für einen gleichzeitigen Aufwärtsimpuls (Standbein), ein Durchlaufen der Welle vom Boden zum Kopf: „Du läufst in die Wirbelsäule und zum Kopf.“ (Margarete)

Zum Beispiel „Monkey“ (Hocke)/ Tai Chi:
Auch hier führt erst die Durchlässigkeit in Gelenken und Wirbelsäule zu Leichtigkeit anstelle übermäßiger Anstrengung. Die Welle öffnet quasi Fuß-, Knie- und Hüftgelenk. Das Vorhandensein der Welle führt dann außerdem zu einem fast mühelosen Heben der Arme, die Welle nimmt sie mit nach oben.

Diese Studien im Selbstgebrauch bilden dabei keinen Selbstzweck, sondern die Voraussetzung für die Arbeit als Alexander-Lehrer.

„Wenn es meine Aufgabe ist die primäre Bewegung freizulegen, dann setzt das voraus, dass diese Bewegung bei mir vorhanden ist und sich frei entfalten kann. Ich kann meinem Schüler nicht authentisch vermitteln, was ich nicht selbst lebe.“
Margarete Tüshaus

Und darum geht es letztlich: Jede Handlung, Tätigkeit, jede Absicht mit Hilfe der primären Bewegung zu verwirklichen. Wie Margarete sagt, mit der Kraft der „Wellen in den Lebensfluss eintauchen“.

„Du kannst der Welle vertrauen. Sie kommt, so oder so und wenn ich bei meiner Intention bleibe, werden sich Intention und Primary Movement finden und eine gemeinsame Richtung eingehen.“
Margarete Tüshaus

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